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Brennstoffzellen
Unternehmen Kurs* am 1.11.99 Kurs* am 14.2.00 Wertent- wicklung Plug Power 16,00 133,50 +734 % Mechanical Technology 18,81 72,63 +286 % SatCon Technology 8,88 30,00 +238 % Global Thermoelectric 7,75 24,90 +221 % Ballard Power 40,40 119,00 +195 % * Kurse in Dollar (sü) - Besonders in den USA und in Kanada arbeiten neben den großen Energie- und Automobilkonzernen bereits zahlreiche kleinere Unternehmen an der Entwicklung von Brennstoffzellen. Viele haben sich entweder auf transportable Kleinanlagen oder auf größere stationäre Systeme spezialisiert und sind inzwischen börsennotiert. Seit November vergangenen Jahres können die Aktien der meisten Brennstoffzellen-Firmen auf eine sehr positive Kursentwicklung zurückblicken: Anfang Januar verzeichneten die Aktienkurse der Fuel-Cell-Branche schon einmal recht deutliche Aufschläge. Ende des Monats schwächte sich der Ansturm auf die Papiere jedoch wieder ab. Weil die Branche noch so jung ist und weil es immer wieder Rückschläge in der Entwicklung geben kann, schwanken die Aktienkurse zum Teil recht deutlich. Zudem lässt sich im derzeitigen Stadium mit Brennstoffzellen noch kein Geld verdienen. Michael Worms, der in den USA als Analyst Energieversorger beobachtet, ist überzeugt, "dass man auch in den nächsten vier Jahren keine Profite sehen wird und es ist auch nicht sicher, wie es danach weitergeht". Ballard Power Systems Die kanadische Firma Ballard Power Systems gilt als einer der Vorreiter der Branche. Nach Ansicht von US-Analysten zeichnet sich das Unternehmen vor allem dadurch aus, dass es sowohl transportable als auch stationäre Brennstoffzellen-Systeme entwickelt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre will Ballard für 350 Millionen Dollar eine Fabrik bauen, in der pro Jahr 300.000 Brennstoffzellen vom Band laufen sollen. Zudem arbeitet das Unternehmen in einem großen Feldversuch eng mit der kalifornischen Regierung und mit anderen Unternehmen zusammen: Bis 2003 sollen 55 mit Wasserstoff und Methanol betriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge von DaimlerChrysler und Ford die Straßen des Bundesstaates befahren. Die nötige Infrastruktur in Form von speziellen Tankstellen und Zapfanlagen liefern die Mineralölkonzerne Texaco, Arco und Shell. DaimlerChrysler gehören 20 Prozent der Anteile von Ballard Power, Ford besitzt 15 Prozent. Nach Ansicht von Ballard "verzeichnen Fuel Cells wachsende Akzeptanz als die Energiequelle, die zukünftig mit höchster Wahrscheinlichkeit die herkömmlichen Verbrennungsmotoren ersetzen wird". Das Unternehmen habe mittlerweile gezeigt, so ist von US-Analysten zu erfahren, "dass sie Brennstoffzellen bauen können, die problemlos in eine A-Klasse von DaimlerChrysler passen und verlässlich arbeiten." Für die endgültige Marktreife sei die Technik allerdings noch zu teuer. Zudem sei es noch ein weiter Weg, bis die notwendige Infrastruktur geschaffen ist. Auf dem Gebiet der stationären Energiegewinnung arbeitet Ballard eng mit Firmen wie dem französischen Mischkonzern Alstom oder dem US-Versorger GPU zusammen. Da viele Häuser bereits über einen Gasanschluss verfügen, ist das Problem der fehlenden Infrastruktur in diesem Bereich bereits gelöst. Die Zukunft der Energieversorgung gehört nach Ansicht der amerikanischen Analystengemeinde der dezentralen Energiegewinnung. Jeder Häuserblock werde seine eigene Brennstoffzelle haben und so mit Energie versorgt. Große Kraftwerke wären dann überflüssig. Wo es sich, wie zum Beispiel bei abgelegenen Farmen, nicht lohne, eine Gasleitung zu verlegen, könne ebenso gut Propangas in Tanks als Treibstoff für die Brennstoffzelle verwendet werden. Plug Power Im Gegensatz zu Ballard Power hat sich Plug Power ganz auf die Entwicklung von stationären Brennstoffzellen spezialisiert, mit deren Hilfe ganze Haushalte mit Energie versorgt werden können. Analysten erwarten, dass das Unternehmen, das im Oktober 1999 an die Börse gegangen ist, vor dem Jahr 2004 keine Profite erzielen wird. Ihrer Ansicht nach sei Plug Power jedoch vor allem deshalb so attraktiv, weil es mit General Electric (GE) über einen starken Vertriebspartner verfüge und zudem wichtige Schlüsselpatente hält. GE ist, gemessen am Umsatz, das fünftgrößte Unternehmen der USA. Zudem besitzen der Messinstrumente-Hersteller Mechanical Technology und der Energieversorger DTE Energy je 32 Prozent der Anteile an Plug Power. Plug Power zählt zu den wichtigsten Kunden von SatCon Technology. Das amerikanische Unternehmen stellt unter anderem Bauteile für Brennstoffzellen her. Erst kürzlich hat SatCon einen eigenen Geschäftsbereich für die Herstellung von Brennstoffzellen-Komponenten gegründet. Avista Auch Energieversorger, die sich auf dem Gebiet der Energiegewinnung durch Brennstoffzellen engagieren, finden zunehmend das Interesse der Investoren. Beispielsweise die Firma Avista , die in letzter Zeit vor allem dadurch auf sich aufmerksam machte, dass nach eigenen Angaben der Börsengang der Brennstoffzellen-Sparte "Avista Labs" bevorsteht. Zudem hat sich Bill Gates Mitte Januar mit rund fünf Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Brennstoffzellen als Kraftwerksersatz Ganz auf die Energiegewinnung im großen Rahmen hat sich die US-Firma Fuelcell Energy spezialisiert. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen zusammen mit der DaimlerChrysler-Tochter MTU ein Versuchskraftwerk an der Universität Bielefeld in Betrieb genommen. Ebenfalls eine Partnerschaft in Deutschland ist die kanadische Global Thermoelectric eingegangen. Eine Sparte des Unternehmens, das hauptsächlich thermoelektrische Anlagen und dieselbetriebene Heizanlagen herstellt, entwickelt Brennstoffzellen in Zusammenarbeit mit dem deutschen Energie-Forschungszentrum in Jülich. http://www.sueddeutsche.de/cgi-bin/w/w-ttt.pl?id=22& Zukunftsbranche Brennstoffzellen Wenn Autos nur noch Dampf ablassen In den letzten Wochen sorgten in den USA und Kanada Aktien von Unternehmen für Furore, die ein Produkt herstellen, das die Welt verändern könnte: Durch die amerikanischen Medien geisterte der Begriff vom "Fuel Cell Fieber". Mit Fuel Cells, zu deutsch Brennstoffzellen, lässt sich Energie durch Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff erzeugen. Schadstoffe fallen nicht an, da als Abfallprodukt nur Wasserdampf übrigbleibt. An der Technischen Universität München wird seit fast zehn Jahren rund um die Brennstoffzelle geforscht. Professor Dr. Ulrich Stimming, Leiter des Instituts für Physik, ist überzeugt, dass sich Fuel Cells vor allem durch zwei Eigenschaften auszeichnen: Zum einen produzieren sie keine Umweltverschmutzung und zum anderen schonen sie die vorhandenen natürlichen Rohstoffe, da sich mit Brennstoffzellen aus der gleichen Menge Treibstoff mehr Energie erzeugen lässt als mit Verbrennungsmotoren. Noch nicht absehbar sei allerdings, ob Brennstoffzellen so billig hergestellt werden können, dass sie auch finanziell eine Alternative zu herkömmlichen Methoden der Energieerzeugung darstellen. Die derzeit für Pkws verwendeten Brennstoffzellen kosten nach einer Berechnung der Investmentbank CSFB rund 35.000 Dollar, ein herkömmlicher Verbrennungsmotor schlage dagegen nur mit knapp 3.000 Dollar zu Buche. Freilich sei die Kostenfrage auch von der produzierten Stückzahl abhängig, so Professor Stimming. Derzeit beschäftige man sich ja noch mit dem kostspieligen Bau von Prototypen. Vielseitig verwendbare Saubermänner Ein großer Vorteil von Brennstoffzellen ist, dass sie nicht nur mit Wasserstoff, sondern auch mit Benzin oder Gas betrieben werden können. Völlig frei von Schadstoffen ist jedoch nur der Betrieb mit reinem Wasserstoff (siehe Tabelle "Treibstoffe für Brennstoffzellen" . Zudem sind Brennstoffzellen als Energiequelle für die unterschiedlichsten Bereiche verwendbar. Ob als Notstromaggregate, als Akkus für Handys und andere Kleingeräte, zum Antrieb von Fahrzeugen oder für die Energieerzeugung in Kraftwerken. Für fast jede Anwendungsform gibt es bereits erste Prototypen. So sind inzwischen nahezu alle namhaften Autohersteller um die Entwicklung von Brennstoffzellenantrieben bemüht. Wie General Motors und Toyota, die gemeinsam Brennstoffzellen erproben, hat auch DaimlerChrysler die Entwicklung bereits weit vorangetrieben. Mit dem "Necar 4" ist mittlerweile die vierte Generation eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs in der Erprobungsphase: Der Pkw auf Basis der A-Klasse versieht seit Ende Januar auf dem Münchner Flughafen seinen Dienst für VIP- und Lotsenfahrten. Er wird mit Flüssigwasserstoff betankt, hat eine Reichweite von 450 Kilometern, ist bis zu 145 Stundenkilometer schnell und hinterläßt nur Dampf. In Nordamerika fahren seit Oktober 1998 Versuchs-Linienbusse mit Brennstoffzellen der kanadischen Firma Ballard Power Systems. In Kanada und den USA sind bereits einige Unternehmen an den Börsen notiert, die sich auf die Entwicklung von Brennstoffzellen spezialisiert haben. Ihre Aktien haben in den letzten Wochen eine wahre Kursrallye hingelegt. Zuvor hatten mehrere Medienberichte in den USA den Fuel Cells eine wachsende Bedeutung bescheinigt. Der kanadische Toronto Star etwa schrieb Mitte Januar: "Brennstoffzellen sind marktreif, [...] wenn ihre Größe auf die eines Pkw-Motors reduziert werden kann, wenn sie problemlos in Masse gefertigt werden können [...] und wenn ihre Kosten mindestens auf ein Zehntel verringert werden können. Letzten Sonntag hat Ballard Power erklärt, man habe nun all diese "wenns" gelöst." http://www.sueddeutsche.de/cgi-bin/w/w-ttt.pl?id=21& Wie funktionieren Brennstoffzellen? (sü) Eine neue Erfindung sind Brennstoffzellen wahrlich nicht: Bereits 1839 wurden sie von dem walisischen Physiker und Juristen William Robert Grove erfunden. Den großen Durchbruch schafften Brennstoffzellen jedoch erst in den 60er Jahren, als sie die Raumkapseln des Gemini- und Apollo-Programms mit Strom versorgten. Bei Brennstoffzellen reagieren Wasserstoff und Sauerstoff unter kontrollierten Bedingungen miteinander. Dabei werden die Elektronen der Wasserstoff-Atome beim Durchgang durch eine zehntelmillimeter dicke platinbeschichtete Trennwand abgespalten. Dadurch entsteht auf der Wasserstoffseite der Trennwand ein Elektronenüberschuss und auf der Sauerstoffseite ein Elektronenmangel. Damit bildet sich ein Plus- und ein Minuspol und es fließt Strom. Als Reaktionsprodukt dieser "kalten" Verbrennung entsteht neben der elektrischen Energie nur Wasserdampf. Derzeit sind sich die Experten allerdings noch uneins darüber, ob reiner Wasserstoff der ideale Treibstoff für Brennstoffzellen ist. Nach Ansicht von Professor Ulrich Stimming von der Technischen Universität München ist Wasserstoff zwar der sauberste Treibstoff, da er im Zuge der Energiegewinnung nur zu Wasserdampf wird. Allerdings könne der gasförmige Wasserstoff nur in großen Tanks und unter hohem Druck gelagert werden und sei deshalb für den Gebrauch in Fahrzeugen ungeeignet. Bei der für die Lagerung günstigeren Verflüssigung müsse man nach Ansicht von Stimming dagegen einen Verlust von einem Drittel des Energiegehalts in Kauf nehmen. Ihm zufolge ist Wasserstoff lediglich für Fahrzeugflotten - beispielsweise von Taxi- und Busgesellschaften - geeignet, die alle an einer Tankanlage befüllt und innerhalb von Städten ohne große Anforderungen an die Reichweite eingesetzt werden. Alternative Treibstoffe Die einzige Anforderung an alternative Treibstoffe sei, dass sich aus ihnen Wasserstoff gewinnen lässt. So ist zum Beispiel auch herkömmliches Gas, das zum Heizen von Häusern oder zum Kochen am Gasherd verwendet wird, eine Alternative. Es eignet sich vor allem deswegen, weil die notwendige Infrastruktur bereits vorhanden ist. Wer zum Beispiel in einigen Jahren bei sich Zuhause von der Energieversorgung durch die Stadtwerke auf die Energie aus der eigenen Brennstoffzelle umsteigen will, der muss diese nur an seine Gasleitung anschließen. Weitere Alternativen sind Methanol oder herkömmliches Benzin. Methanol kann auch aus dem nachwachsenden Rohstoff Biogas hergestellt werden. Benzin hat dagegen den großen Vorteil, dass die notwendige Infrastruktur in Form von Tankstellen bereits vorhanden ist. Es müssten also nicht erst alle Tankstellen umgerüstet werden, um Fahrzeuge mit Brennstoffzellen betreiben zu können. Allerdings müsste das Benzin erst recht aufwändig an Bord des Fahrzeugs umgewandelt werden. Tabelle Treibstoffe für Brennstoffzellen Treibstoff Vorteile Nachteile Ethanol + gute Eignung für Automobile + sehr wenig Schadstoffe + herstellbar aus nachwachsenden Rohstoffen + einfache Herstellung - teuer - noch keine Infrastruktur Wasserstoff + keine Schadstoffe + muss vor Einsatz in der Brennstoffzelle nicht reformiert werden + gute elektrochemische Eigenschaften - große Tanks erforderlich - geringe Verfügbarkeit - noch keine Infrastruktur Methanol + gute Eignung für Automobile + sehr wenig Schadstoffe + herstellbar aus nachwachsenden Rohstoffen - noch keine Infrastruktur Gas (Methan) + gute Eignung für Automobile + sehr wenig Schadstoffe + herstellbar aus nachwachsenden Rohstoffen - teure Umwandlung im Fahrzeug - geringere Fahrzeugreichweite - aufwändigere Betankung Propan-Gas + inzwischen billiger als herkömmliches Gas + sehr weit verbreitet + wenig Schadstoffe + besonders für Fahrzeugflotten geeignet - Kostenvorteil dürfte mit steigender Nachfrage sinken - begrenzte Rohstoffvorkommen reformiertes Benzin + kann auch in herkömmlichen Fahrzeugen verwendet werden + Infrastruktur ist vorhanden + etwas weniger Schadstoffe - reformiertes Benzin ist teurer als herkömmliches Quelle: United States Environmental Protection Agency http://www.sueddeutsche.de/cgi-bin/w/w-ttt.pl?id=31& -------------------------------------------------- |
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