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Palm: Böses Erwachen nach dem Börsengang
Von Kurt Pelda Am Börsengang des Handcomputer-Herstellers Palm hat nur ein kleiner Kreis ausgewählter Investoren Geld verdient. Die Kleinanleger stehen dagegen vor einem Scherbenhaufen. Es hätte der Börsengang der Superlative werden sollen. Doch mit den Aktien von Palm, die gestern vor einer Woche erstmals an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gehandelt wurden, hat nur ein kleiner Kreis ausgewählter Investoren Geld verdient. Die Kleinanleger, die keine Chance hatten, sich bei der Emission mit den begehrten Papieren einzudecken, stehen dagegen vor einem Scherbenhaufen. Dabei hatte alles so gut ausgesehen: Der führende Hersteller von Handcomputern hat in den USA einen Marktanteil von etwa zwei Dritteln, er ist weltweit bekannt und ihm wird zudem ein beträchtliches Wachstumspotenzial zugeschrieben. Unter anderem soll das Unternehmen vom künftig verbesserten Zugang zum Internet per Mobilfunk profitieren. Kurz nachdem der Handel mit Palm-Aktien an der Nasdaq eröffnet wurde, wechselten mehr als fünf der 23 Millionen emittierten Papiere den Besitzer. Die erste Notierung: 145$, verglichen mit 38$, die ausgesuchte Investitionsfonds sowie Unternehmen wie America Online (AOL), Motorola und Nokia zuvor bezahlt hatten. Inzwischen ist der Kurs jedoch um mehr als die Hälfte auf rund 69$ eingebrochen: Immer noch ein gutes Geschäft für die Aktienfonds und Investmentbanken, doch ein Desaster für die Kleinanleger. Die Art und Weise, wie Palm an die Börse gelangte, ist denn auch eine Geschichte von legaler Manipulation, Gier und Naivität technologiebegeisterter Spekulanten, kurzum: ein Beispiel für die grassierende Kasino-Mentalität an der New Yorker Wall Street. So hat die Muttergesellschaft 3Com nur gerade 4,1Prozent aller Palm-Aktien ausgegeben, was einem der geringsten Kapitalanteile entspricht, die jemals an einer amerikanischen Börse notiert wurden. „Das garantiert eine ziemlich künstliche Knappheit und ein Gerangel naiver Spekulanten um die wenigen Aktien“, sagt Fran?ois Sicart von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Tocqueville Asset Management. Das Schlimmste dabei ist die von 3Com klar kommunizierte Absicht, die rund 95 Prozent der in Eigenbesitz verbliebenen Papiere in einem halben Jahr an die eigenen Aktionäre zu verteilen. Die einzige Voraussetzung dafür: Die Zusage der Behörden, dass die Transaktion für die Besitzer von 3Com steuerfrei über die Bühne geht. Davon profitiert auch das Top-Management, das gemäß Unternehmensangaben erhebliche Aktien- und Optionspakete besitzt. Wer sich die Titel jedoch zu überrissenen Preisen über die Börse beschafft hat, muss die entsprechenden Passagen im Emissionsprospekt vor lauter Gier überlesen oder schlichtweg nicht verstanden haben. Weil der Markt voraussichtlich mit Palm-Aktien überflutet wird, erscheinen die Titel auch bei einem Kurs von 69$ immer noch massiv überbewertet. Denn dieser Kurs bedeutet eine Börsenbewertung von Palm in Höhe von rund 39Mrd.$, verglichen mit den ungefähr 24Mrd.$ von 3Com. Bei dieser Notierung hat jedoch allein schon der Palm-Anteil der Muttergesellschaft einen Wert von etwa 37Mrd.$. Wäre der Kurs gerechtfertigt, müsste 3Com ohne das Aktienpaket demnach minus 13Mrd.$ wert sein. Ein rationaler Investor würde heute also sicher nicht Palm kaufen, sondern 3Com. Aber mit der Vernunft ist es so eine Sache in Zeiten, in denen das schnelle Geld, die Gier und der Herdentrieb regieren. © 2000 Financial Times Deutschland -------------------------------------------------- |
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